Atari 600XL ( ...und wie alles begann )

Dieser Computer ist was ganz besonderes! Naja, was ganz besonderes für mich, denn das ist mein erster Computer überhaupt, wenn man die 'Spielecomputer' wie die 2-3 Game & Watch-Spiele und dem 'LED-Fußball-Spiel', dessen Namen ich vergessen habe, nicht mitrechnet. Dabei wollte ich eigentlich keinen Computer...

Ich glaube es war Weihnachten 1983, als ich mir vom Weihnachtmann einen Atari VCS 2600 gewünscht habe. Aber scheinbar kannte der Weihnachtsmann damals noch nicht den Unterschied zwischen einer Atari VCS 2600 und einem Atari 600XL. Er hat sich wohl gedacht, da kann man Joysticks anschließen und hat einen Schacht für Module oben drauf und naja, die Tastatur ist ungewöhnlich für eine Spielekonsole, aber egal :). Also lag unter dem Weihnachtsbaum ein Atari 600XL mit Joystick und einem Spiel Namens Galaxian.

Galaxian ist für meinen Geschmack eines der besseren Atari-Spiele und war für ca. ein Jahr das einzige Spiel was ich hatte. Der Grund war, das ich keine Möglichkeit hatte Daten zu speichern oder zu laden. Das machte es mir sogar unmöglich eines der Spiele aus den damaligen Zeitschriften abzutippen, denn nach dem ausschalten ist wie jeder weiß der Speicher gelöscht. Das heißt, gewusst hab ich es damals nicht wirklich und mir war auch unverständlich, wie falsche Befehle den Computer nur abstürtzen lassen und nicht schaden nehmen. Ok, ich war erst zehn Jahre alt, aber das war auch für Erwachsene neu.

Das änderte sich, als ich schließlich eine Atari 1010 Datasette bekam und mir damit die Welt der Software geöffnet wurde. Mein erstes Kassettenspiel war übrigens Affenjagt von Europa Computer-Club, die man in den 1980er für 10.- DM kaufen konnte. Später folgte noch Wilder Westen von Kemal Ezcan bzw. Yoda Zhang, Steve Cartwrights Hacker und Rescue on Fractalus von Lucasfilm-Games ( später Lucasarts ) was wohl zu den besten Atari-Spielen überhaupt zählen dürfte. Natürlich waren das nicht alle, aber die meisten Kassetten waren Basic-Spiele von Zeitschriften wie z.B. CK-Computer Kontakt oder Homecomputer/Computronic und die alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Der Mangel an Software ( für Atari gab es nicht so viel gute Spiele und auch erst recht nicht für 16Kbyte ) hatte auch seine Vorteile. So lernte ich sehr früh die Funktionsweise von Computer, da ich mich näher mit dem Handbuch und den Listings aus den Zeitschriften befasste. Ich denke ohne diese Erfahrung hätte ich vielleicht nicht das Potential der Computer erkannt und würde heute vielleicht nur spielen oder auch gar nichts mit Computer mehr machen. 

Später folgten dann noch ein Atari 800XL und natürlich eine Atari 1050 Floppy. Mit der Diskette kam auch die Spieleflut und ich spielte eine Zeit lang nur noch mit dem Computer. Mit dem Kauf eines Commodore 64 C inkl. Floppy Commodore 1541 II war ein Computer erstmal überflüssig und ich verkaufte die Atari-Anlage komplett. Aber eigentlich war der Atari XL/XL bis heute ist mein Favorit , was sicher daran liegt das es der erste war. Der Commodore 64 war für mich natürlich auch ein sehr wichtiger Computer, aber hab ich ihn als Spielemaschine in Erinnerung. Der Amiga spielte später auch noch eine große Rolle. Durch ihn bin ich zur Grafik gekommen, aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

 

Technisch war der Atari 600XL aus heutiger sich natürlich sehr schwach. Als CPU wurde die auch in vielen anderen 8-Bitter der damaligen Zeit eine MOS 6502 mit 1,77 MHz bei PAL ( 1,79 MHz bei NTSC ) verbaut und der Speicher hatte überschaubare 16Kbyte. Das war auch um 1984 recht wenig und 64Kbyte waren schon normal. Atari 800XL, Schneider CPC 464 oder Commodore 64 waren schon auf dem Markt und hatten 64Kbyte. Man konnte den Atari 600XL mit einer Erweiterung am Expansion-Port auf 64Kbyte erweitern und in so auf einen (zumindest technisch) Atari 800XL bringen, aber war die Erweiterung schwer bis gar nicht in den Kaufhäusern zu finden und waren meist so teuer wie ein Atari 800XL neu kostete.

 

Der Grafikchip GTIA war schon etwas überholt und wenn man zum Mitbewerber Commodore 64 rüberschielte, war man schon etwas neidisch auf die bessere Grafik des Commodore 64. Doch heute bin ich der Meinung, das die Entwickler sich selten richtig Mühe gegeben haben was Atari-Konvertierungen angingen. Der GTIA hatte schon mehr zu bieten, als man damals zu sehen bekam. Mit der Displaylist konnte man zum Beispiel verschiedene Grafikmodi zumindest Zeilenweise kombinieren. Auch braucht man sich man nur die aktuellen Spiele und Demos für den kleinen Atari anzusehen. Hier wird noch einiges aus dem GTIA rausgeholt und ich denke das die Demoszene noch nicht alles ausgereizt hat. Kleines Detail am Rande: Der GTIA konnte auch Töne erzeugen. Das Geräusch was beim Tippen der Tasten aus dem Lautsprecher kam, war eins dieser GTIA-Sounds :).

 

 


 Laden von Datasette (Atari 800XE + Atari XC12)



 

Der Soundchip Pokey war auch nicht der schlechteste, aber im direkten Vergleich zum Commodore 64 konnte er dem SID nicht das Wasser reichen. Zwar hatte der Pokey vier Stimmen (der SID hatte nur drei ), aber konnte er die Tonhöhe nur in 8Bit auflösen, während der SID seine Tonhöhen auf 16Bit verteilen konnte und somit mehr Oktaven abdeckte. Deshalb musste man beim Commodore 64 auch in Basic die Tonhöhe in zwei nebeneinanderliegende Speicherstellen 'Poken' weil man nur so 16Bit-Zahlen ( 2x8Bit ) in den RAM schreiben konnte. Zudem war der SID ein echter analoger Synthesizer. Der Pokey hatte wie gesagt vier Stimmen, ein Rauschgenerator, Tiefen- und Hochpassfilter. Man konnte ihm wirklich gute Töne entlocken, wie z.B. Rob Hubbard auch mit Warhawk oder Jet Set Willy bewiesen hat. Aber auch wie bei der Grafik gab man sich in der Regel damals nicht sehr viel Mühe was vernünftiges aus dem Pokey rauszuholen. So blieb es meistens bei einfachen piepen und rauschen.

In den 1980er haben die wenigsten Computer besessen, bzw. überhaupt gewusst was mach damit machen konnte. Deshalb konnte man auch nicht an jeder Ecke Software kaufen und das Internet war noch lange nicht da. So musste man sich z.B. die Programme ( meistens Spiele ) aus Zeitschriften abtippen. Meine Lieblings-Zeitschrift waren CK-Computer Kontakt, Homecomputer und Computronic. Da ich mit meinem Atari nicht überall berücksichtigt wurde, gab es da auch nicht viel Auswahl. Später kam dann das Atari-Magazin und das löste dann die CK ab, die auch leider vom Markt verschwand. Das erste Heft, was ich heute noch in einem desaströsen Zustand besitze, ist die Ausgabe 10/1984 der CK-Computer Kontakt. Darin befand sich auch mein erstes abgetippte Spiel Rolly Dolly von Clemens Meier. Dieses Spiel hab ich dann so 1993 nur zum Spaß auf den Commodore 64 konvertiert ( Listing ). Auch viel gekauft habe ich die Homecomputer, die später mit der Computronic zusammengelegt wurde. Das erste Exemplar der Homecomputer hab ich auch noch und darin befanden sich die Spiele Splat und Cambodia. Splat war aber das einzige der beiden Spiele welches mein Atari 600XL mit 16 KByte verkraftete und tippte es bestimmt zweimal ab. So richtig lief es leider nie :).

Eine andere Art der Spieleversorgung waren die Kontaktanzeigen in solchen Heften. Wie selbstverständlich inserierte man damals Anzeigen, in denen man ganz klar das Tauschen von Raubkopien angeboten hat und das mit Angabe der richtigen Adresse und später mit Postfächern. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen, aber das kopieren von Spielen war völlig normal und selbstverständlich und meiner Meinung nach hat das sehr zum Erfolg des Commodore 64 beigetragen. So wirklich wundern konnte man sich über diese Entwicklung nicht, denn welcher Schüler konnte sich mit seinem Taschengeld die ganzen Spiele kaufen, die man so dringend für seine Freizeit brauchte. Aber auch damals gab es Anwälte, die da das große Geld in Abmahnungen sahen und so entstand die in der Szene bekannte 'Tanja Nolte-Berndel', die in Wirklichkeit Günter Freiherr von Gravenreuth hieß, der unter diesem Namen die Leute zum Tauschen aufforderte und nach dem erhalt der Tausch-Listen verklagte.


 Ich besitze aus dieser Zeit leider keine Fotos und deshalb habe ich die 3D-Software bemüht mein Schreibtisch von damals zu zeigen. Ich hatte zwar keinen Commodore 1701 und auch ein Competition hatte ich erst später ( hatte mehrere Quickshot, haben nur nicht wirklich lange gehalten ), aber sonst kommt es schon recht nahe :). Das Kassetten-Karussell, Stifthalter und Cola-Dose standen genau wie auf dem Rendering zu sehen ist in meinem Zimmer :)

 

 

 

Aus Gesprächen mit anderen Retro-Fans aus ganz Deutschland habe ich festgestellt, das eine Menge Leute diese Zeit ähnlich erlebt haben. Falls Du Dich für solche Geschichten interessierst, dann kann ich Dir wärmstens die Webseite www.videospielgeschichten.de empfehlen.