Commodore Amiga 500, die Entdeckung der 3.Dimenson

Ein weiterer wichtiger Computer war ohne Zweifel der Commodore Amiga. Als der Amiga 1000 vorgestellt wurde, war der Commodore 64 noch in den meisten Haushalten zu finden und für mich noch weit weg einen eigenen Amiga zu besitzen., denn der Preis war anfangs viel zu hoch für einen Auszubildenden wie mich. Das war allerdings nicht schlimm, denn die 16-Bit-Rechner lösten nur langsam die kleineren 8-Bit-CPUs ab und es wurde noch viel Software für den Commodore 64 entwickelt. So richtig in Schwung kam der Amiga mit dem Modell 500, der den Commodore 64 sozusagen ablöste und somit auch Commodore wieder in die schwarzen Zahlen führte. Auch der Amiga 2000 war sehr verbreitet und stellte den professionellen Amiga in der Produktlinie dar. Der Amiga 500 hatte nie da gewesene technischen Fähigkeiten wie hochauflösende Grafik + Blitter, Stereosound, 16Bit CPU mit 7,09 MHz PAL (7,16 MHz NTSC) und ein integriertes 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk... eben die perfekte Spielemaschine :).

Ich entschloss mich eines Tages meine komplette Commodore 64-Anlage zu verkaufen und mir den Rest von den damals DM 850.-  die man für für einen Amiga 500 hinlegen musste zu leihen und genau diesen Plan setzte ich 1990 in die Tat um. Natürlich habe ich mit dem Amiga nur spielen wollen, denn wozu er noch in der Lage war, galt es noch zu entdecken. Also besorgte ich mir nach und nach Unmengen an 'Sicherheits-Kopien' und daddelte was das Zeug hält :). So einige Spiele sind mir noch sehr gut in Erinnerung geblieben: Kick Off, Starglider 2, Lemmings, North & South, Interceptor und natürlich die Lucas Arts-Adventures Indiana Jones 3+4, sowie Monkey Island 1+2. Obwohl ich von Fußball nicht sehr viel halte, spielte ich sehr oft mit meinem Bruder und Freunden den Bundesliga-Manager und später Anstoss. Mit dem Kauf eines Modems (TKR Speedstar 14.4) eröffnete sich 1994 für mich die Welt der Datenfernübertragung (DFÜ) und so langsam entdeckte ich auch die anderen Vorzüge meines Amigas. Es dauerte nicht sehr lange und ich hatte Kontakt zu den lokalen Mailboxen ( auch Bulletin Board System oder BBS genannt ) die Namen hatten wie Cosmic Chaos, Next Generation oder Lahneck-Box hießen.

 

Das Internet in der heutigen Form gab es zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon, nur lief es über teure Providern wie CompuServ, AOL oder T-Online. Also spielte sich das meiste eben in diesem BBS ab und es war bei weitem nicht so komfortabel uns schnell wie heute. Eine Email wurde entweder direkt online geschrieben ( was teuer werden konnte, denn Flatrates gab es noch nicht ) oder es wurde erst lokal geschrieben um es später online im BBS per copy/paste einzufügen. Es gab dann noch spezielle Software ( z.B. Crosspoint auf MSDOS ) mit denen man die ganzen abonnierten Newsgroups ( AMINet usw. ) komplett lokal laden und offline lesen konnte. Mit diesen Programmen konnte man auch den ganze Email-Verkehr abwickeln. Um die Daten auszutauschen gab es das sogenannte 'polling', was hieß das man sich bei einem BBS einloggte und alle Updates inkl. Emails runtergeladen bzw. hochgeladen hat. Um Geld zu sparen, haben die Mailboxen aber untereinander nur einmal oder maximal zweimal am Tag 'gepollt' und dementsprechend lange dauerte es bis man eine Antwort auf die Email bekam. Auch das 'surfen' in einem BBS erfolgte in einem Terminal und dieser konnte nur Buchstaben/Zeichen darstellen. Bilder musste man ebenfalls lokal speichern um sie sich anschauen zu können. Eine Maus war in solchen Terminals nutzlos, denn man gab direkte Befehle ein wie man es z.B. von MSDOS, oder der Eingabeaufforderung her kennt. Ein Youtube-Video das sehr ausführlich beschreibt wie das damals mit den Modems funktionierte, hat MIG in seiner Yesterchips-Folge 022 erstellt ( nebenbei sind eigentlich alle seine Videos sehenswert! ).

 

3D-Grafik? Ach, so funktionierte das bei TRON...

Ich war ungefähr zehn oder elf Jahren alt als ich von meinem Vater aus der Videothek den Film Tron von Walt Disney auf einer klassische VHS-Kassette mitgebracht bekommen hatte und war fasziniert von der noch nie vorher gezeigten 3D-Welt. Wie wurde sowas erstellt? Eines war sicher: gezeichnet wurde es nicht! Diese Frage beschäftigte mich noch viele Jahre, denn wo sollte man denn diese Information herbekommen. Google konnte man noch nicht fragen und Zeitschriften die ich damals las berichteten von sowas speziellen nicht, zu mindestens nicht die Bravo :). Die Antwort fand ich bei einem Amiga-Bekannten der auf seinem Tisch ein Buch von Markt&Technik liegen hatte mit dem Namen: Amiga Reflections - Traumwelt und Realismus. Reflections 1.6 war das erste 3D-Programm das ich je gesehen hatte und bei einem Buchpreis von DM 50.- kann man sich auch gut vorstellen, das es nicht sehr leistungsstark war. Zudem war die Software auch inkompatibel zu meiner Speichererweiterung ( 512 KByte ) und musste sie vor gebrauch entfernen. Da Reflections in speichersparenden Modulen funktionierte (zum Teil sogar auf Kommandozeilen-Ebene), war das auch für die ersten Schritte kein Problem. Die Renderzeiten waren enorm hoch und die Ergebnisse alles andere als befriedigend. Trotzallem habe ich mich sehr intensiv mit Reflections 1.6 und 2.0 beschäftigt und lernte dabei die Grundlagen der 3D-Grafik. Später bin ich auf Turbo Silver ( Vorgänger des bekannteren Imagine ) von Impulse umgestiegen und anschließend auf Real3D dessen Qualität der Renderings schon damals recht ordentlich waren und sogar schon NURBS-Modellierung ( Non-Uniform Rational B-Splines ) und Volumen-Modellierung kannte.

Mit Real 3D arbeitete ich allerdings nicht mehr mit einem Amiga 500, sondern mit einem wesentlich verbessertem Amiga 1200 mit Phase 5 Blizzard 1230 Turbokarte, der nicht nur eine 40 Mhz 68020er CPU und 33 Mhz CoProzessor hatte, sondern auch wahnsinnige 10 MByte RAM :). Als dann Commodore (das erste mal) pleite gingen, bin ich schließlich auf den PC umgestiegen und habe mich damit bis heute weiter mit 3D-Grafik beschäftigt. Hierzu findest Du mehr unter '3D-Grafik'

 

Die Anschlüsse des Amiga

Der Amiga besaß eine Menge Schnittstellen und man konnte ihn sehr gut Aufrüsten, bzw. Erweitern. Neben den Standard-Schnittstellen wie die parallelen und seriellen Schnittstelle für z.B. Drucker und Modem, Joystick, Maus/Joystick2 und RGB-Monitor, hatte der Amiga auch auf der Unterseite hinter einer 'Trapdoor' versteckt den Expansionport für Speichererweiterung oder Turbokarten. Seitlich links befand sich ein DMA-Port (Direct Memory Access), an dem man z.B. Festplatte ( z.B. die Commodore A590 ) oder später ein CD-ROM-Laufwerk anschließen konnte. Besonders nett fand ich die Möglichkeit den Amiga über die Audio-Chinch-Buchsen an eine Stereoanlage oder Aktiv-Boxen anzuschließen. Es gab auch einen Composite-Ausgang, allerdings nur Monochrom, was ihn eigentlich nutzlos machte. Schade fand ich aber das nicht von Werk aus ein TV-Modulator integriert war. Man musste sich dafür eine Zusatz-Hardware ( Commodore A520 ) kaufen, die den Anschluss an einen Fernseher ermöglichte. Die Commodore A520 lieferte aber ein schlechtes Bild und die Buchsen am Sub-D-Anschluss leierte auch schnell aus, was dazu führte das die Farben verschwanden und nur ein Monochromes Bild zu sehen war. Ein Monitor war auf langer Sicht also Pflicht.

Eine Schnittstelle für externe Diskettenlaufwerke findet man auch auf der Rückseite und dieser war auch sehr sinnvoll. In den ersten Jahren der Amigas passten die meisten Programme noch auf wenige Disketten und das Wechseln der Disketten war bei nur zwei bis drei Disketten noch erträglich. Denkt man aber z.B. an spätere Spiele wie Monkey Island II oder Indiana Jones 4 - Fate of Atlantis, dann wurden beide Spiele mit je elf Disketten ausgeliefert und mit nur einem Diskettenlaufwerk konnte das Wechseln der Disketten einen in den Wahnsinn treiben. Aber auch nur zwei Laufwerke machte das Spielen nicht viel flüssiger und spätere Amigas wie A1200 oder A4000 nutzte man ohnehin besser mit Festplatten. Hatte das externe Laufwerk auch ein zusätzlichen Anschluss für externe Laufwerke, konnte man weitere Laufwerke in Reihe hintereinander anschließen, was aber nicht garantierte das auch alle Spiele bzw. Programme die angeschlossenen Laufwerke unterstützten.  Um die Flut der SD-Disketten ( die man neu schwer bis gar nicht zu bekommen sind ) und deren kurzen Lebensdauer zu entgehen, hab ich für meinen Amiga 500+ eine SD-Karten-Lösung besorgt. Der HxC-Floppy-Emulator läd Disketten-Images ganz bequem von SD-Karten. Mehr dazu findest Du unter Retro Computer > Amiga 500, Entdeckung der 3.Dimenson > Der HxC SD-Floppy-Emulator .


Der Amiga 500 war für mich und wahrscheinlich auch für viele andere der einflussreichste Computer gewesen, da er mir mit seinen Grafik-Fähigkeiten die Richtung zu meinem heutigen Beruf und Hobby gezeigt hat. Auch wenn die ersten Schritte in der 3D-Grafik aus heutiger Sicht lächerlich aussahen, hat sich vom Prinzip nichts geändert und so hatte ich das Glück von Anfang an mitzuerleben, wie sich Software und Technik weiterentwickelten und weiß es daher vielleicht etwas mehr zu schätzen was heute für viele selbstverständlich ist. Nicht alles hat sich zum besseren entwickelt, aber das liegt meistens an den Menschen die solche Technik nutzt als an der Technik selbst...